Auszug aus Erzählungen vom toten Kitz „Mein Vater war damals Jäger. Ich sah ihn, ich glaube ich war vier Jahre, mit einem toten Rehkitz im Garten und fragte ihn, den Tränen nah, was er da mache. Er erzählte mir, dass das Reh seine Eltern verloren habe und sich hier nur ausruhen würde. Er würde es nun in den Wald zurück fahren und mit seinen Freunden und Hunden die Eltern suchen gehen. Immer, wenn er nun auf die Jagd ging, drückte ich dem kleinen Kitz die Daumen, dass es doch bald seine Eltern wieder fände. Später, als ich älter war, musste ich über diese kindliche Naivität und Unschuld sogar lächeln. Immer, wenn jemand bei uns in der Familie log, hieß es: Er erzählt uns etwas vom toten Kitz.“ |
| Vergessen wird groß geschrieben |
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| Sonntag, den 29. August 2010 um 14:28 Uhr |
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Ich lebte in einer Großstadt. Vor zwei Wochen flog der Tod über uns hinweg. Es ist alles mit schwarzer Asche bedeckt und jeder Atemzug, zeigt einem die Auswirkungen des kalten Kapitalismus. Die Lunge kratzt und die Augen brennen. Vor zwei Wochen ging ich noch in die Schule. Ich wollte mein Abitur machen, um später auch schön viel Geld zu verdienen. Wenn ich heute durch die Straßen gehe, sehe ich auch die Reichen am Straßenrand liegend Blut husten.
Was nutzt mir jetzt noch mein Bausparvertrag? Wo soll ich denn bauen? Was geschehen ist? Nichts! Das ist ja das Schlimme! Nichts gegen „the amarican way of life“ !
Der kalte Kapitalismus streckte die Finger nach uns und wir fielen ihm blind zu Opfer. Ich ging zur Schule um später zu studieren, um danach viel Geld zu verdienen, weil das die einzige Möglichkeit war, um im Leben an Anerkennung zu gelangen. Heute ist es ziemlich egal welches Auto der Nachbar fährt, alle wurden gleich getroffen und stehen nun vorm Nichts. Heute scheint mir mein ständiges Leben in der „Spaßgeselschaft“ als Zeitverschwendung. Ich erkenne, dass das Leben zu kostbar ist um sich sinnlos zu besaufen. Erst wenn man den Tod sieht, lernt man zu leben. Wir müssen alle noch mal anfangen. Und warum? Weil irgendein geldgeiler Idealist in Gottesnamen handeln wollte und die Welt daran zusammen gebrochen ist. Kratzen wir unsere Überreste von der Straße, fegen wir unser Stolz zur Seite und erkennen wir endlich mal was uns alle verbindet. Nicht die Klamotten die wir tragen, sondern das was da drunter ist. Bauen wir wieder alles auf und warten wir auf die nächste Bombe, die einer unserer Enkel später sicher schmeißen wird, denn Vergessen wird groß geschrieben.
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